Schreiberlings NotizTisch

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Noch etwas nichts tun.

Erst wurden X Millionen Kenn- und Passwörter (wieder mal) gestohlen. Dann tauchte die Schreckensmeldung auf, dass sicher nicht sicher (https://) ist. Grosses Aufschreien, zahllose Medienberichte und so weiter, und so weiter.
Ein Blick in mein Smartphone zeigt mir aber, dass ich mich freiwillig ausspionieren, beklauen lasse, ganz ohne Medienrummel. Wie blöd bin ich eigentlich?

Ok. Ich mag Würste und wenn es sich um KalbFleischWurst handelt, gehen meine Gedanken gleich in Richtung Kindheit. Da habe ich beim Einkauf mit meiner Mutter beim Metzger ihres Vertrauens immer ein “Redli”, eine Scheibe Wurst bekommen. Und es war KalbFleisch, weil meine Mutter nur solche genoss.

Ok. Ich freute mich besonders, als meine Frau eine Packung in den Kühlschrak legte und ich sie entdeckte. Eigentlich war sie fein, keine Beschwerden. Doch dann…

Ok. Ich wollte in Erfahrung bringen, was nun wirklich drin ist, so Konservierungsmittel, Geschmackverstärker und so weiter…
Nicht schlecht musste ich da staunen, als ich die Zutaten lesen:
Kalbfleisch 44%
Wasser, Speck, Schwarten,
Schweinefleisch
Kalbskopfblock, Nitritpökelsatz usw.

Ok. Für mich ist das eine klare Konsumententäuschung. Ich will Kalbfleischwurst und komme gerade mal 44%, der Rest stammt vom Schwein, Wasser usw.

Ok. Ich kenne die gesetzliche Grundlage, was die Anschriftpflicht und Deklaration angeht, nicht, aber für mich ist das Betrug. Aber scheinbar müssen wir mit einer Lupe bewaffnet einkaufen gehen. Toll.

Ich gebs ja zu, ich habe in den letzten Jahren zunehmend Probleme mit dem Schreiben bekommen, sehe die Fehler einfach nicht mehr. Erst ein paar Tage später, beim erneuten Lesen, entdecke ich dann die Fauxpas und rege mich manchmal göttlich auf. Eine Alterserscheinung? 

Doch je länger desto mehr muss ich feststellen, dass auch andere Schreiberlinge mit dem Problem kämpfen. Vor allem in den sogenannten professionellen Medien tritt das Phänomen immer öfters auf. Das obige Beispiel spricht wohl für sich. Nachfolgend ein weiteres Beispiel:

Aber eben, ich bin da auch nicht vorbildlich, entschuldige mich aber bei allen, die mich jeweils in den verschiedenen sozialen Medien aufmerksam machen, auch bei denen, die mir “böse” kommen.

Welche Lisa?

Die Schlampe, die da drüben wohnt.
Nö.
Hey Mann, die sieht vielleicht gut aus, voll geil.
Welche Lisa?
Mannnnn, hörst du mir nicht zu? Die wohnt da drüben, die Schlampe.
Mmmm. Wie alt ist sie?
Weiss nöd. So 12i.
12? Die ist ja älter als ich. Scheisse.
Machts öppis?
Was meinsch?
Ich mein ja nur.
Mmmm.
Hast du noch Hausaufgaben.
Nö. Aber was hast du gesagt, wo wohnt die Lisa?
Da drüben.
Mann, geil. Das ist ja gerade hinter meiner Loge.

Ein paar Minuten später:
Bahnhof Luzern. Endstation. Wir danken für ihre Mitfahrt und verabschieden uns von allen Fahrgästen.

Es gibt viele Orte im Internet, wo wir beobachtet und registriert werden. Doch die meisten UserInnen lässt das kalt, ja sind sogar der Meinung, dass dies gar nicht zutrifft. Fast alles läuft im Hintergrund, nicht sichtbar. 

Ganz anders und für alle erkennbar geht die Werbewirtschaft vor. Ein Beispiel:

Du surfst auf dem Auktionsportal Ricardo.ch, suchst z.B. eine Fujifilm Kamera. Du schaust dir die angebotenen Artikel an und weg bist du wieder, bzw. tätigst keinen Kauf.

Nächste Station, Facebook. Kaum geöffnet, erscheint (z.Z.) auf der rechten Seite des Bildschirms eine Werbung mit - genau - einem Link zu Ricardo.ch, auch zu anderen Firmen, die ich vor kurzem besucht habe. Aber nicht nur das soeben verlassene Portal wird dir angeboten, nein, auch das Produkt deines Interesses, in diesem Fall die Kameras von Fujifilm. Oft genau das gesucht Modell oder genauer betrachtete. 

Das gleiche Spiel findet sich auf unzähligen weiteren Portalen, also nicht nur auf Facebook. Wer immer noch der Meinung ist, das Internet sei “frei” und nichts werde registriert, sollte unverzüglich einen Test machen. 

Selbstverständlich müssen wir UserInnen uns auch fragen, ob solche “Vorgänge” gespeichert werden und falls ja - wo? Speicherungen sind immer Datenbanken und diese können endlos gross sein. Selbstverständlich haben diese Selektionsmöglichkeiten und somit sind sie auch Handelsware. Werden sie verkauft, kann ich z.B. Interessenten von Fujifilm Kameras selektionieren lassen. Kleinstmöglicher Werbeverlust wird somit erreicht.
In der Schweiz müssen Datenbank einer amtlichen Stelle gemeldet werden. Auch Löschungen, Einträge können verlangt werden und müssen unverzüglich erfolgen. Doch was tun, wenn wir die Sammler gar nicht kennen? Sie ihre Aktivitäten im Ausland haben?

Hier liegt der Hase begraben, hier beginnt unsere Machtlosigkeit. Die Lösung? Ich kann keine Anbieten, ausser vielleicht das Internet in Zukunft nicht mehr benutzen. Doch damit sind die Probleme auch nicht gelöst. Denn aus dem “analogen Bereich” können ebenfalls Daten ins Netz gelangen (siehe Personendatenbanken, Telefonbücher, Autonummern-Index usw.).

Wir sind nicht mehr geschützt, jede nationale Gesetzgebung hinkt hinterher, ist sinnlos geworden. Oder hat jemand einen Gegenvorschlag? 

Das obige Beispiel ist übrigens auf dem Blog von bloggingtom.ch erschienen.