Schreiberlings NotizTisch

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Schreiberlings NotizTisch ist heute 7 geworden!

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Kürzlich hat mich eine Sendung mit Günther Jauch wieder mal überrascht, oder eben nicht. Jauch zeigte auf, wie aus einem ganz normalen Schlagloch eine Geschichte wurde, die zwar auf der Titelseite eines Boulevard-Blatts gelandet ist, mit der Wirklichkeit aber nichts zu tun hat.

Ursprünglich ging es um eine Gesprächsrunde, bei dem der ehemalige Verkehrsminister Ramsauer sich zu den Strassen-Kosten in Deutschland äusserte. Dabei wurde ein Beispiel über den angesprochenen Strassenzustand gezeigt.
So weit, so gut.

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Was passierte aber mit der Strassen-Aufnahme? Zuerst wurde damit ein Aufmacher, suggerierte also der Leserschaft, dass das Blatt einen Bericht zur Lebens/Wohnlage Jauchs enthält. Skandal im Villen-Viertel!

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Tja und dann? Im Heftinnern tauchte die in der Sendung gezeigte Aufnahme des Schlaglochs, der ganze Sachverhalt völlig verdreht. Aus einem verkehrspolitischen Problem wurde ein Villenproblem. So einfach geht das heute.
Und da wundert sich noch jemand, wenn der üblichen Presse Vorbehalte an allen Ecken entgegen gebracht werden.

Fotos: Screenshots aus der ARD-Sendung mit Günther Jauch

Erst wurden X Millionen Kenn- und Passwörter (wieder mal) gestohlen. Dann tauchte die Schreckensmeldung auf, dass sicher nicht sicher (https://) ist. Grosses Aufschreien, zahllose Medienberichte und so weiter, und so weiter.
Ein Blick in mein Smartphone zeigt mir aber, dass ich mich freiwillig ausspionieren, beklauen lasse, ganz ohne Medienrummel. Wie blöd bin ich eigentlich?

Ok. Ich mag Würste und wenn es sich um KalbFleischWurst handelt, gehen meine Gedanken gleich in Richtung Kindheit. Da habe ich beim Einkauf mit meiner Mutter beim Metzger ihres Vertrauens immer ein “Redli”, eine Scheibe Wurst bekommen. Und es war KalbFleisch, weil meine Mutter nur solche genoss.

Ok. Ich freute mich besonders, als meine Frau eine Packung in den Kühlschrak legte und ich sie entdeckte. Eigentlich war sie fein, keine Beschwerden. Doch dann…

Ok. Ich wollte in Erfahrung bringen, was nun wirklich drin ist, so Konservierungsmittel, Geschmackverstärker und so weiter…
Nicht schlecht musste ich da staunen, als ich die Zutaten lesen:
Kalbfleisch 44%
Wasser, Speck, Schwarten,
Schweinefleisch
Kalbskopfblock, Nitritpökelsatz usw.

Ok. Für mich ist das eine klare Konsumententäuschung. Ich will Kalbfleischwurst und komme gerade mal 44%, der Rest stammt vom Schwein, Wasser usw.

Ok. Ich kenne die gesetzliche Grundlage, was die Anschriftpflicht und Deklaration angeht, nicht, aber für mich ist das Betrug. Aber scheinbar müssen wir mit einer Lupe bewaffnet einkaufen gehen. Toll.

Ich gebs ja zu, ich habe in den letzten Jahren zunehmend Probleme mit dem Schreiben bekommen, sehe die Fehler einfach nicht mehr. Erst ein paar Tage später, beim erneuten Lesen, entdecke ich dann die Fauxpas und rege mich manchmal göttlich auf. Eine Alterserscheinung? 

Doch je länger desto mehr muss ich feststellen, dass auch andere Schreiberlinge mit dem Problem kämpfen. Vor allem in den sogenannten professionellen Medien tritt das Phänomen immer öfters auf. Das obige Beispiel spricht wohl für sich. Nachfolgend ein weiteres Beispiel:

Aber eben, ich bin da auch nicht vorbildlich, entschuldige mich aber bei allen, die mich jeweils in den verschiedenen sozialen Medien aufmerksam machen, auch bei denen, die mir “böse” kommen.

Welche Lisa?

Die Schlampe, die da drüben wohnt.
Nö.
Hey Mann, die sieht vielleicht gut aus, voll geil.
Welche Lisa?
Mannnnn, hörst du mir nicht zu? Die wohnt da drüben, die Schlampe.
Mmmm. Wie alt ist sie?
Weiss nöd. So 12i.
12? Die ist ja älter als ich. Scheisse.
Machts öppis?
Was meinsch?
Ich mein ja nur.
Mmmm.
Hast du noch Hausaufgaben.
Nö. Aber was hast du gesagt, wo wohnt die Lisa?
Da drüben.
Mann, geil. Das ist ja gerade hinter meiner Loge.

Ein paar Minuten später:
Bahnhof Luzern. Endstation. Wir danken für ihre Mitfahrt und verabschieden uns von allen Fahrgästen.